Bevor Du startest, müssen die Fugen absolut sauber und frei von Kleberesten sein. Kratze Rückstände vorsichtig heraus. Falls Du alte Fugen sanierst, entferne das Material vollständig und sauge die Zwischenräume gründlich aus. Nur so ist eine optimale Haftung gewährleistet.
Warum müssen Fliesen verfugt werden?
Fliesen verlegen ohne Fugen ist also nicht möglich und laut DIN auch nicht zulässig. Neben dem Verfugen neuer Fliesen können von Zeit zu Zeit auch alte Fugen durch neue ersetzt werden. Das ist zum Beispiel dann notwendig, wenn der Fugenmörtel rissig ist oder sich hartnäckiger Schimmel gebildet hat, der sich durch Reinigen nicht mehr entfernen lässt.
Wozu dienen Fugen?
Zwischen den Fliesen wird beim Verfugen Fliesenmörtel aufgetragen. Je nach Einsatzort muss er einiges leisten. Im Bad und in der Küche sollte er Feuchtigkeit und Spritzwasser standhalten. Dadurch, dass Fliesen bei unterschiedlichen Temperaturen “arbeiten”, muss die Fuge zudem flexibel bleiben. Nur so können Risse verhindert werden.
Bauteile sind ständig in Bewegung; sie „arbeiten“. Durch Schwankungen der Temperatur und Feuchtigkeit oder minimale Setzungen des Untergrunds dehnen sie sich aus und ziehen sich wieder zusammen. Fugen fungieren hierbei als notwendige Puffer: Ohne sie entstünde eine enorme Spannung zwischen den Fliesen, die unweigerlich zu Rissen, Abplatzungen oder einem Ablösen des Belags führen würde.
Da keine Fliese exakt der anderen gleicht und auch Wände oder Böden selten perfekt gerade verlaufen, übernimmt die Fuge auch eine entscheidende gestalterische Aufgabe. Sie gleicht diese minimalen Maßabweichungen aus und sorgt so für ein ästhetisches, sauberes Gesamtbild. Gleichzeitig erleichtert sie den Verlegeprozess.
Fugenmörtel verschließt Zwischenräume zuverlässig und verhindert so, dass Wasser direkt unter die Fliesen gelangen kann. Das schützt den Untergrund vor Schäden. Achtung: In Nassbereichen ist zusätzlich aber eine Abdichtung unter den Fliesen notwendig.
Fugen können das Gesamtergebnis stark beeinflussen. Schmale Fugen sorgen für eine ebenmäßige Fläche und so für eine moderne, ruhige Atmosphäre. Breite Fugen lassen das Ergebnis hingegen rustikaler wirken. Auch die Farbwahl ist entscheidend: Ton in Ton verstärkt die Ebenmäßigkeit, farbige Fugen setzten gekonnt Akzente.
Tipp: Breite der Fuge nach DIN 18157
Wie dick die Fuge sein muss, hängt von der Seitenlänge der Fliesen ab und ist in der DIN 18157 festgelegt. Bei einer Seitenlänge von bis zu 150 Millimetern empfiehlt die Norm eine Fugenbreite von 2 Millimetern. Ab einer Seitenlänge von 150 Millimetern sollten die Fugen zwischen 2 und 8 Millimetern breit sein.
Gestalterisch bieten Dir beide Materialien dieselbe Freiheit. So ist Zementfugenmörtel ebenso in in einer Vielfalt an Farben auf dem Markt erhältlich, wie die Epoxidharz-Variante. Dank moderner Technik hat sich der Verarbeitungsaufwand von Epoxidharzfugenmörtel deutlich verringert und ist heute näher an die Zementfuge herangerückt.
Dennoch bleibt ein Unterschied: Aufgrund der speziellen chemischen Erhärtung und der notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen lässt sich Epoxidharz nach wie vor nicht ganz so einfach und komfortabel handhaben wie eine klassische, hochwertige Zementfuge.
Der entscheidende Faktor für die Wahl des richtigen Materials ist das jeweilige Einsatzgebiet und die damit verbundene Beanspruchung. Also die Summe aller äußeren Einwirkungen sowie deren Intensität und Dauer bis hin zur Art der Belastung.
Damit Belag und Fuge dauerhaft schadenfrei bleiben, muss der Widerstand des Materials größer sein als die Belastung. Zu den äußeren Belastungen zählen etwa Feuchtigkeit und Witterung, chemische Einflüsse, wie der Kontakt mit Reinigungsmitteln oder der mechanische Abrieb durch den Einsatz von Fahrzeugen.
Aber selbst in Schwimmbädern reicht eine klassische Zementfuge meistens aus. Erst bei starker chemischer Belastung wie in Solebädern wird auf Epoxidharz zurückgegriffen. In Großküchen müssen Fugen durch Fettsäuren und scharfe Reiniger Einiges aushalten. Hier ist Epoxidharz oft die bessere Wahl, stößt aber bei starker Hitze an seine Grenzen.
+ Natürlicher Schimmelschutz: Hohe Alkalität verhindert das Einwachsen von Pilzsporen.
+ Lösemittelbeständig: Absolut resistent gegen alkoholhaltige Desinfektionsmittel oder Terpentin.
+ Dichtes Gefüge: Dank feinst gemahlener Zemente extrem druck- und abriebfest sowie wasserabweisend.
+ Einfache Verarbeitung: Wesentlich unkomplizierter und fehlerverzeihender in der Anwendung.
– Säureempfindlichkeit: Klassischer Zement ist weniger resistent gegen starke Säuren als Epoxidharz.
+ Extrem widerstandsfähig: Bietet höchste Resistenz gegen starke chemische und mechanische Belastungen.
+ Langlebigkeit: Bei richtiger Anwendung sehr robust und für extreme Beanspruchung konzipiert.
+ Geschlossene Oberfläche: wasserabweisend und sehr fest.
– Hygiene-Risiko bei fehlerhafter Anwendung: Organische Anteile bieten bei unsachgemäßer Verarbeitung Nährboden für Pilze.
– Sanierungsaufwand: Bei Schimmelbefall ist meist ein kompletter Rückbau unumgänglich.
– Lösemittel-Anfälligkeit: Alkoholbasierte Reiniger oder Terpentin können die Struktur zerstören.
– Temperaturempfindlich: Hohe Hitzeeinwirkung kann das Material dauerhaft schädigen.
Das passende Werkzeug
Neben der richtigen Fugenmasse benötigst Du weitere Hilfsmittel:
- einen Eimer und einen Mörtelquirl (Aufsatz für die Bohrmaschine) zum Anrühren
- ein Fugbrett, um den Fugenmörtel in die Lücke zwischen den Fliesen zu drücken
- Hydro-Schwamm, um den überschüssigen Mörtel zu entfernen
- Tipp: Mit einem Schwammbrett und einem Wascheimer geht es noch einfacher.
- Wasserdichte, stabile Handschuhe, da Fugenmörtel die Haut reizen kann
- Kelle zum einfachen Auftragen und der Entnahme aus dem Eimer
- Fugenkratzer zum Entfernen alter Fugen oder Kleberresten aus den Fugen
Achtung: Dehnungsfugen aus Silikon
Gebäude arbeiten, deshalb sind sogenannte Anschlussfugen oder auch Dehnungsfugen immer dann notwendig, wenn Wände auf den Boden treffen. An diesen Stellen und Ecken benötigst Du Fugen aus Silikon. Dafür spritzt Du das Silikon gleichmäßig ein und glättest das noch weiche Material mit einem Fugenglätter.
Fliesen verfugen: Deine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Das Material liegt bereit. Jetzt geht es an das Verfugen Deiner Fliesen.
Vorbereitung der Fliesen
Anmischen des Mörtels
Rühre die Fugenmasse gemäß der Herstellerangaben mit einem Rührquirl an, bis sie geschmeidig und klumpenfrei ist. Mische nur so viel an, wie Du innerhalb von 20 Minuten verarbeiten kannst. Wichtig: Das Mischverhältnis muss bei jeder neuen Ladung exakt gleich sein. So verhinderst Du Farbunterschiede im Endergebnis.
Das Verfugen
Verteile die Masse mit einem Fugbrett. Streiche den Mörtel diagonal zum Fugenverlauf ein. Drücke das Material fest hinein, damit die Fugen „satt“ und ohne Hohlräume gefüllt sind. Arbeite überschüssiges Material direkt mit kreisenden Bewegungen ab.
Tipp: Reihenfolge beachten
Wenn Du in einem Raum Fliesen sowohl an der Wand als auch auf dem Boden verlegst, starte zuerst mit der Wand. Im Anschluss werden die Bodenfliesen verlegt und verfugt.
Anziehen und Ausschwemmen
Lass den Mörtel nun so lange ruhen, bis er matt wird und bei Berührung nicht mehr am Finger klebt. Je nach Raumklima dauert dies zwischen 10 und 50 Minuten. Wische die überschüssige Masse nun mit einem feuchten Hydro-Schwamm ab. Führe den nicht zu nassen Schwamm dabei vorsichtig diagonal über die Fliesen, um den Mörtel nicht wieder aus der Fuge zu waschen.
Finale Reinigung
Wische matte Rückstände (Zementschleier) zeitnah mit einem sauberen, feuchten Schwamm ab und poliere die Fliesen mit einem trockenen Tuch nach. Achtung: Warte nicht zu lange! Ist der Schleier erst einmal komplett getrocknet, lässt er sich meist nur noch mit aggressivem Spezialreiniger entfernen.
Typische Fehler vermeiden
Als Richtwert für das erste Abwaschen der Fliesen kannst Du 10 bis 45 Minuten ansetzen. Allerdings kommt das auch immer auf das Fliesenmaterial an. Saugfähige Fliesen wie Steingut Fliesen führen dazu, dass Fugenmörtel oft deutlich schneller anzieht. Wenn Du Dir unsicher bist, kannst Du vorsichtig mit dem Finger auf die Fuge drücken (Daumentest). Wenn kein Material kleben bleibt, kannst Du die Fugen abwischen.
Bis der Mörtel endgültig getrocknet ist, dauert es deutlich länger. Warte daher besser zwischen 3 bis 12 Stunden, bevor Du die neu verfugten Fliesen betrittst. Erst nach 24 Stunden solltest Du Möbel ins neu verfugte Zimmer stellen und die erste Reinigung mit chemischen Reinigern sollte besser erst nach einer Woche erfolgen. Aber die exakten Zeiten findest Du auch immer auf dem Produkt selbst, da diese je nach Hersteller variieren können.
Fliesen verfugen kannst Du Dir auch als Anfänger zutrauen. Mit unseren Tipps vermeidest Du typische Fehler.
Beim Anmischen und Verarbeiten des Mörtels ist das richtige Maß an Wasser entscheidend. Eine zu flüssige Konsistenz oder ein zu nasser Schwamm können die Bindemittel und Farbpigmente ausschwemmen. Dadurch können zu instabile, bröckelige oder fleckige Fugen entstehen. Beachte die Anleitung auf der Packung und drücke den Schwamm beim Abwaschen aus.
Wischt Du die Fliesen zu früh ab, holst Du den Fugenmörtel wieder aus den Vertiefungen heraus. Wartest Du zu lange, kann der Zementschleier nur noch mit einem chemischen Reiniger entfernt werden. Der Daumentest kann Dir hier helfen, das perfekte Timing zu finden.
Paralleles Wischen zum Fugenverlauf führt dazu, dass der Mörtel ungleichmäßig auswischt. Führe deshalb das Schwammbrett immer diagonal.
Stehen noch Kleberreste in der Fuge, hat der Mörtel keinen Platz. Dadurch wird die Fuge zu dünn und kann bei Belastung einfach ausbrechen. Deshalb ist eine gründliche Reinigung vor dem Verfugen unbedingt notwendig.























